Die Tartufai aus Umbrien lie­fern in 75 Länder

Feinkosthändler Dario Bianchi hat sich in Umbrien in die Mysterien des schwar­zen Trüffels ein­wei­hen lassen.

Juni 2026

Unesco-Weltkulturerbe. Welch wert­vol­les Geschenk an die Menschheit ihre Kochkunst dar­stellt, wuss­ten die Italiener schon immer. Seit letz­tem Jahr ist dies nun offi­zi­ell beglau­bigt: die Unesco hat die «cuci­na ita­lia­na» als imma­te­ri­el­les Weltkulturerbe aner­kannt. Diese Ehre wur­de schon vier Jahre zuvor dem Trüffelsuchen zuteil. Gewürdigt wird das jahr­hun­der­te­al­te Wissen, das umfas­sen­de öko­lo­gi­sche Verständnis, die tie­fe Naturverbundenheit und das har­mo­ni­sche Zusammenspiel zwi­schen tar­tu­fai, den Trüffeljägern, und ihren spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Hunden. Bild oben: v.l. Dario Bianchi, Corin Schmid («Drei Stuben», Zürich), Hundetrainerin Candida, Bruno Araujo, Bill Stooss und Joshua Bieri («Casino», Bern) mit Trüffelhund Selli.

Dario Bianchi mit ern­te­fri­schen schwar­zen Trüffeln aus Umbrien, dem grü­nen Herzen von Italien.

Weltdrehscheibe Umbrien. Alba im Piemont ist welt­be­rühmt für die weis­sen Trüffel, die teu­er­ste Delikatesse der Welt. Weniger bekannt als Trüffelparadies ist Umbrien, die grüne Region in Mittelitalien, wo schwar­ze, Sommer- und Wintertrüffel seit Jahrhunderten den Einheimischen Lohn und Brot sichern. Seit mehr als 170 Jahren ist das hie­si­ge Trüffelgeschäft in den Händen der Familie Urbani. Sie ver­ar­bei­ten jähr­lich 270 Tonnen Trüffel, die aus Italien und Europa stam­men, expor­tie­ren in 75 Länder und kon­trol­lie­ren rund 70 Prozent des Weltmarktes.

Trüffel-Spaziergang: Das «Bianchi-Team» unter­wegs in einer Plantage von Urbani.

Die fünf­te Generation! Über dem hoch­mo­der­nen Betrieb im Dorf Sant’Anatolia di Narco schwebt stän­dig eine herb-hoch­aro­ma­ti­sche Duftwolke. Von die­ser Welttrüffelzentrale nahe der hüb­schen, histo­ri­sche Stadt Spoleto bezieht auch der Feinkosthändler Bianchi AG seit lan­gem die kost­ba­ren Knollen. «Wir sind ja auf Fisch und Meeresfrüchte spe­zia­li­siert – dar­um auch der Hummer in unse­rem Firmenlogo. Aber natürlich haben wir für unse­re Kunden aus der Spitzengastronomie auch Trüffel im Sortiment» erklärt Dario Bianchi, Co-CEO seit fünf Jahren, zusam­men mit sei­nem Cousin Luca. «Mit den Urbanis ver­bin­det uns die lan­ge Tradition, in bei­den Firmen ist die fünfte Generation am Ruder.»

Festmahl zu Weihnachten. Dario ist der Fachmann für Finanzen und Fleisch in der Firma – und Trüffel-Fan! «Ich lie­be Trüffel. Mich fas­zi­niert vor allem der Weisse. Ein Mysterium, dass der sich nicht züchten lässt.» In nor­ma­len Wochen kom­men rund dreis­sig Kilo im aar­gaui­schen Zufikon an, im Dezember um die zwei­hun­dert Kilo. «Im Winter kau­fen wir zudem jedes Kilo weis­sen Trüffel von Urbani ein, den wir bekom­men kön­nen», erzählt Bianchi. «Nach ein paar Anrufen bei den Starchefs ist er die teu­re Fracht stets los – Gottlob! Da geht es um viel Geld.» Bei Urbanis kom­men die Edelknollen fast täg­lich auf den Tisch: «Jeder Urbani isst pro Jahr sicher zwan­zig bis dreis­sig Kilo», schätzt Olga Urbani. «Ich hal­te ein Leben ohne Trüffel für mög­lich, aber für völ­lig sinn- und genussfrei.»

Dem raren Trüffel setzt der Klimawandel zu, die Bestände schwin­den drastisch.

Spürnasen wie die Hündin Selli erschnüf­feln die Pilze in bis zu 30 Zentimetern Tiefe.

Frisch geho­bel­ter schwar­zer Trüffel macht simp­le Pasta zum Festessen.

Feingefühl und Erfahrung. Wie genau der Edelpilz gewon­nen wird, las­sen sich die bei­den Bianchi-Vertreter und die drei mit­rei­sen­den Jung-Chefs vor Ort zei­gen. Die lang­jäh­ri­ge Tartufaia und Hunde-Trainerin Candida hat für die Such-Aktion die rou­ti­nier­te Selli mit­ge­bracht, einen Mischling mit hohem Anteil Pointer. Die Hündin hetzt mit flie­gen­den Ohren den Hang mit Reihen von manns­ho­hen Eichen und Haselsträuchern rauf und run­ter. Sie scharrt nahe den Stämmen, holt vor­sich­tig die eigros­sen schwar­zen Knollen aus der Erde, hält sie locker im halb­of­fe­nen Kiefer und appor­tiert ihre wert­vol­len Fundstücke ihrer Herrin. Für jeden Trüffel bekommt Selli viel Lob, Streicheleinheiten und Wurststückchen. Wegen der gros­sen Menschenmeute und der Mittagszeit – üblicherweise wird in der Morgendämmerung getrüffelt – ist Selli ner­vös und bald aus­ser Atem. Sie hat aber inner­halb kur­zer Zeit fast ein Pfund des raren Bodenschatzes gefun­den. Reines Glück? Nein! Die unge­wöhn­lich gros­se Ausbeute hat einen guten Grund: Selli hat in einer Plantage gesucht, wo fast unter jedem Baum ein Pilz wächst.

Fünfte Generation! Geschäftsführerin Olga Urbani lei­tet das Traditionsunternehmen.

Die Firma Urbani ver­ar­bei­tet seit mehr als 170 Jahren Trüffel und expor­tiert sie in 70 Länder.

Trüffel-Experten: Dario Bianchi im Gespräch mit Geschäftsführer Carlo Urbani.

Impfung für Setzlinge. Die Plantage ist eine Pioniertat der Urbani, die Zucht von Trüffeln ihre Innovation. Die galt lan­ge Zeit als unmög­lich – und sie ist es für weis­se Trüffel wei­ter­hin. Beim schwar­zen Trüffel aber hats geklappt. «Nachdem wir jah­re­lang im wahr­sten Sinn viel Geld ver­locht haben mit ‹try and error›», so Olga Urbani über das Projekt ihres Sohnes Francesco. Weil Trüffel immer rarer wer­den, die Bestände dra­ma­tisch schrump­fen, haben die Urbanis gehan­delt. Ihnen war klar, dass sie der Natur hel­fen müssen, wenn sie für sich und die Welt auch künftig Trüffel fin­den wol­len. Klimawandel, feh­len­der Tierbestand und ver­dich­te­te Wälder machen dem edlen Pilz das Überleben schwer. In den rie­si­gen Gewächshäusern von der Firma TruffleLand wer­den nun mit Sporen geimpf­te Setzlinge gross­ge­zo­gen. Bereits 100‘000 Jungbäume sind in Italien und Europa gepflanzt wor­den. An ihren Wurzeln wach­sen sehr, sehr lang­sam Trüffel her­an. Der Nachschub aus Umbrien ist für die Bianchi AG gesichert.