
Der Hiramasa-Kingfish, auch als Gelbschwanzmakrele bekannt. Artwork: Monique Baumann
Der Hiramasa-Kingfish, auch als Gelbschwanzmakrele bekannt. Artwork: Monique Baumann
Mise En Place mit
Luca Bianchi
Aufgezeichnet von Barbara Halter
Aufgezeichnet von Barbara Halter
Elegantes Gleichgewicht. Der Hiramasa-Kingfish ist der Diplomat unter den Fischen – er kann mit allem und jedem gut. Ich schätze besonders seine elegante Balance: Er ist fett genug, um saftig und aromatisch zu sein, zugleich aber so sauber und fein im Geschmack, dass er nie schwer wirkt. Ursprünglich stammt der Kingfish – auch Gelbschwanzmakrele genannt – aus dem indopazifischen Raum. Neben Hiramasa gibt es die Arten Hamachi und Kanpachi, die sich in Fettgehalt und Textur unterscheiden. Unser Hiramasa-Kingfish kommt aus einer nachhaltigen Zucht in Dänemark und wird dreimal wöchentlich auf dem Landweg in die Schweiz geliefert. Ein ganzer Fisch wiegt ungefähr drei bis vier Kilogramm, die Filets liegen bei 700 bis 900 Gramm.

Luca Bianchi, 5. Generation Bianchi
Luca Bianchi, 5. Generation Bianchi
Aroma von Salz und Meer. Gute Qualität erkennt man an glänzenden, glasigen Augen und tiefroten Kiemen. Das Fleisch ist hellrosa bis leicht weisslich und hat eine feste, kompakte Struktur. Es darf keinesfalls matschig sein oder dunkle Oxidationsstreifen aufweisen. Hochwertiger Kingfish duftet leicht salzig nach Meer – und keines- falls fischig. Das ist entscheidend!
Roh oder leicht angebraten. Vom Kingfish wird vor allem das Filet gegessen, der Bauchlappen ist fettreicher und das Loin, also das Rückenfilet, magerer. Generell lässt sich der Kingfish vielseitig einsetzen, etwa für Sushi, Sashimi, Ceviche oder Carpaccio. Für Grillgerichte greifen Kenner gern zum Nacken – auf Japanisch «Kama» genannt –, oder sie verwenden die Karkassen für einen Fond. Bei der Zubereitung gehöre ich zur Weniger-ist-mehr-Fraktion. Roh ist der Fisch hervorragend. Noch spannender ist er, wenn er nach der Aburi-Technik leicht angeflammt wird. Auch sehr kurzes Anbraten – wirklich nur wenige Sekunden auf der Haut – sorgt für ein unglaubliches Zusammenspiel von knuspriger Textur und Saftigkeit. Was man vermeiden sollte: ihn totzugaren. Denn das nimmt dem Kingfish genau das, was ihn ausmacht.
Ein Hauch Ingwer. Mit Gewürzen empfehle ich, minimalistisch umzugehen: Salz, etwas Yuzu-Zitrone, einen Hauch Ingwer oder Sesam – mehr braucht es oft nicht. Auch Miso oder Soja passen sehr gut. Ich mag Hiramasa als Sashimi mit Yuzu und Meersalz, auf der Haut gebraten mit Fenchel und Zitrone oder als Tatar mit Avocado und Limette. Ich serviere den Fisch so, dass seine Qualität sichtbar bleibt: klare Teller, saubere Schnitte, wenige gezielte Akzente. Vor allem sollte man den Kingfish nicht in Sauce ertränken. Mein Tipp für die Küche: mit einem scharfen Messer arbeiten – eine stumpfe Klinge ruiniert seine Textur.
Unvergessen. Meinen besten Kingfish habe ich im «Mylos By The Sea» auf der griechischen Insel Leros gegessen. Das Restaurant ist auf Dry-Aged-Fisch spezialisiert. Sie hängen den Kingfish zehn Tage ab, lassen ihn leicht antrocknen, schneiden ihn roh auf und servieren ihn als leichtes Carpaccio mit etwas Zitronenolivenöl, gerösteten Kapern und Meersalz. Ein Gedicht!

