Mit Wagyu und Austern über den Julier

Dass es den Gourmets in St. Moritz an nichts fehlt, liegt an stil­len Helden wie Mato Sisic von Bianchi.

Dezember 2025

«Ein Nein gibt es eigent­lich nicht.» Wer die Ikonen der Schweizer Hotellerie und die besten Restaurants der Schweiz mit exklu­si­ven Delikatessen belie­fern möch­te, muss in aller Herrgottsfrühe hell­wach sein. Und so herrscht schon mor­gens um halb fünf Hochbetrieb auf dem Gelände von Bianchi in Zufikon AG. Rund 250 Personen sind zu die­ser Zeit im Einsatz! Wir tref­fen uns mit Mato Sisic, der seit 28 Jahren für Bianchi arbei­tet und heu­te einen Camion in Richtung Engadin steu­ert. Ziel ist das «Badrutt’s Palace» in St. Moritz – ein Hotel, das sei­nen Gästen jeden Wunsch erfül­len möch­te und des­halb auf Partner ange­wie­sen ist, die mit der glei­chen Passion zu Werke gehen. «Ein Nein gibt es für uns eigent­lich nicht», sagt Luca Bianchi, der im Familienunternehmen einen von drei CEO-Posten besetzt und wie sein Cousin Dario unter der Woche ab 4 Uhr auf dem Kommandoposten steht. Der Bianchi-Service geht so weit, dass auch schon mal ein Helikopter mit Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Kaviar in einen ein­ge­schnei­ten Wintersportort flog.

Fürs Filetieren braucht es viel Erfahrung und geschick­te Hände.

Im Dry-Aging-Schrank ver­dich­tet sich das Aroma der Fische.

Purer Luxus: Der Bianchi-Kaviar lagert in einem spe­zi­el­len Schrank.

Beste Laune und Wagyu für 8000 Franken. Doch zurück zu Mato Sisic und sei­nem Camion. Eineinhalb Stunden blei­ben dem Mann mit der ansteckend guten Laune noch, um die kost­ba­re Fracht an Bord sei­nes Lieferwagens mit dem roten Hummer-Logo von Bianchi zu brin­gen. Besonders auf­fäl­lig sind die bunt ver­zier­ten Kartons mit fein­stem Wagyu aus der japa­ni­schen Präfektur Kagoshima. Sie allein haben einen Wert von rund 8000 Franken und wer­den vom Team des Kopenhagener Spitzenrestaurants «Kong Hans Kælder» schon sehn­süch­tig erwar­tet. Das «Kong Hans Kælder» bespielt als Pop-up noch bis am 29. Januar die Räume des frü­he­ren «Igniv» im «Badrutt’s Palace». Doch das Wagyu-Beef ist natür­lich längst nicht alles, was Bianchi an die­sem Tag nach St. Moritz lie­fert. Da sind auch Gillardeau-Austern, Gamberi Rossi aus Mazara del Valle oder präch­ti­ge Heilbuttfilets. Kurzum: alles, was das Luxus-Leben noch ein wenig genuss­vol­ler macht.

Filetieren inklu­si­ve. Während Mato Sisic sei­nen Lieferwagen belädt, fol­gen wir Logistik-Leiter Adriatik Pergjegja in die gros­se Halle, in der die Fische – eine der wich­tig­sten Produktgruppen von Bianchi – ver­ar­bei­tet wer­den. Für das Filetieren sind drei Männer mit höchst geschick­ten Händen zustän­dig. Ob bei Heilbutt, Lachs oder Wolfsbarsch, ihre Messer flit­zen mit höch­ster Geschwindigkeit und Präzision ent­lang der Gräten, bis nur noch per­fek­te Filets übrig blei­ben. Wer bei Bianchi bestellt, kann sich wün­schen, ob er gan­ze Fische haben möch­te oder bereits ver­ar­bei­te­te. Der Preis bleibt der glei­che. Wir kön­nen uns kaum satt sehen am tau­fri­schen Fang aus Meeren und Seen. Besonders impo­sant: Wildfang-Zander aus dem Lago Maggiore mit einem Gewicht von 10 bis 12 Kilo. Um sol­che Prachtexemplare anbie­ten zu kön­nen, braucht man ein exzel­len­tes Beziehungsnetz. Eine wei­te­re Stärke von Bianchi.

«Ein Nein gibt es eigent­lich nicht»: Dario und Luca Bianchi wol­len selbst das Unmögliche mög­lich machen.

Der Bianchi-Fan aus Dänemark. Einen gros­sen Bianchi-Fan gibt es sogar an einem Ort, den die Firma gar nicht ansteu­ert. In Gentofte vor den Toren Kopenhagens. Genauer: im drei­fach best­ern­ten Restaurant «Jordnær». Dessen Küchenchef Eric Vildgaard gastier­te mit sei­nem gan­zen Team im vor­letz­ten Winter zwei Monate im «Badrutt’s Palace» und war begei­stert, wie zuver­läs­sig ihm Bianchi selbst die aus­ge­fal­len­sten Seafood-Wünsche erfül­len konn­te. «Als wir bei ihm in Dänemark essen waren, hat er uns sofort erkannt und herz­lich begrüsst», erin­nert sich Dario Bianchi.

140 Bianchi-Camions pro Tag schwär­men von Zufikon in alle Himmelsrichtungen aus.

Via Julier ins Engadin. Schon ist es 6 Uhr. Zeit zum Aufbrechen für uns. Die Fahrt von Zürich nach St. Moritz via Julier dau­ert inklu­si­ve Pause rund drei­ein­halb Stunden. Und zum Service von Bianchi gehört es auch, stets pünkt­lich zu sein. Matos Sisic’ Camion ist eines von 140 Fahrzeugen, die an die­sem Tag im Einsatz ste­hen, St. Moritz natür­lich eines der am mei­sten ange­fah­re­nen Ziele. Sechsmal pro Woche sieht man im Nobelort Bianchi-Camions. Vier bis fünf tref­fen am Morgen ein, ein wei­te­rer ein paar Stunden spä­ter. Der «Nachmittags-Camion» star­tet erst um 11 Uhr von Zufikon aus ins Engadin, um das Bestellfenster für die Küchenchefs mög­lichst lan­ge offen zu halten.

Die Bianchi-Transporter ste­hen für Top-Service und abso­lu­te Frische.

Ankunft in St. Moritz: Mato Sisic mit einer Kiste «Bianchi Golden Shrimps».

Luftbrücke aus Norwegen. Bei Bianchi gilt: Always go the extra mile! Für das «Kong Hans Kælder»-Pop-up im «Badrutt’s Palace» besorg­te das Familienunternehmen unter ande­rem hand­getauch­te Jakobsmuscheln aus Norwegen. Rare Ware, die eigens aus dem hohen Norden ein­ge­flo­gen wer­den muss. «Da sitzt man schon ein wenig auf Nadeln», gibt Luca Bianchi zu. «Schliesslich ist das Flugzeug mit den Muscheln aber doch noch recht­zei­tig in der Schweiz ein­ge­trof­fen, und wir konn­ten einen wich­ti­gen Kunden glück­lich machen.»

Freude herrscht: Antonio Pavone, Sous-Chef im «Badrutt’s Palace», emp­fängt Mato Sisic vor dem Hotel.

Mission erfüllt! Nach der Fahrt über den ver­schnei­ten Julier kommt der Bianchi-Camion pünkt­lich um 9.30 Uhr in St. Moritz an und par­kiert sei­nen Camion vor dem «Badrutt’s Palace», GaultMillaus «Hotel des Jahres 2026». Dort erwar­tet ihn Antonio Pavone, einer der Sous-Chefs des Hauses. Dem Koch steht die Freude über die exzel­len­ten Produkte ins Gesicht geschrie­ben. Austern, Hummer, Gamberi, Lachs – end­lich ist alles da!

Ganz wich­tig für die Gäste des «Badrutt’s Palace»: Frische Austern in Hülle und Fülle.

Neugierige Blicke. Von den Passantinnen und Passanten gibt es man­chen neu­gie­ri­gen Blick. Mato Sisic – für das «Badrutt’s»-Team ein alter Bekannter – trans­por­tiert die kost­ba­re Fracht nun mit dem Handwagen zur Warenannahme auf der Rückseite des Hotels. «Mission Palace» erfüllt! Der Arbeitstag des Chauffeurs ist aber noch nicht zu Ende. Erst gilt es, ein paar wei­te­re Adressen im Engadin anzu­steu­ern, dann steht die Rückreise ins «Flachland» an. Und am näch­sten Tag war­tet schon wie­der die näch­ste Fahrt von Zufikon nach St. Moritz. Bianchi ist immer für sei­ne Kunden da.